Sportler im Ehrenamt: In der Praxis und an der Basis verwurzelt

Basketballer Lars Lottermoser ist in seiner Art, zu pfeifen und Nachwuchs auszubilden, einzigartig. Er hat in der Szene einen berühmten Namensvetter, den er auch zufällig kennenlernte.

Eines Tages schlenderte Robert Lottermoser, der bekannteste und vermeintlich beste deutsche Basketballschiedsrichter, mit einem Kollegen durch Belgrad, als sein Begleiter einen Bekannten traf. Man begrüßte sich herzlich. Jener Freund identifizierte Robert auch gleich als den berühmten Referee. Als der verwundert fragte, ob man sich kenne, stellte sich sein Gegenüber mit den Worten vor: "Noch nicht, aber es wird mal Zeit: Lottermoser, Lars Lottermoser, auch Basketballschiedsrichter."

Der Mann mit dem (etwas) berühmteren Namensvetter kommt aus Ostwestfalen und pfeift nach eigener Aussage "auch schon seit ewigen Zeiten". Außerdem bildet Lars Lottermoser, der Schiedsrichterwart des Basketballkreises Ostwestfalen ist, junge Unparteiische aus.

»Ich wollte zurückgeben, was der Klub mir gegeben hatte«

Als er 25 Jahre alt war, traf der damalige Oberligaspieler auf die Schiedsrichterwartin des Kreises, die nach Schiedsrichteranwärtern suchte. "Ich stamme aus einer Generation, die noch etwas zurück geben wollte. Der TSVE ist schon ein cooler Verein, und da wollte man einfach etwas von dem zurück zahlen, was der Klub einem gegeben hatte", beschreibt der 45-Jährige seine Motive. Es war der Beginn einer bewegten Karriere.

Lars Lottermoser wurde Schiedsrichter, stieg zum Schiedsrichterwart auf und übernahm für den Westdeutschen Verband das Amt des Schiedsrichter-Umbesetzers. Bis zur Regionalliga und Jugend-Bundesliga leitet er Spiele. "Für höhere Aufgaben bin ich inzwischen zu alt", sagt er mit leicht geknicktem Unterton. An internationalen Einsätzen hindert ihn die Zahl der Lebensjahre aber nicht. Regelmäßig geht es im Januar zu einem großen Turnier nach Schweden, Ostern verbringt der Referee meist auf einer Veranstaltung in Spanien.

Sein Hobby frisst Zeit: "Das kommende Wochenende ist eins von vier oder fünf seit vergangenem August, an denen ich mal frei habe", zählt Lottermoser auf. Er empfindet die Stunden auf dem Feld nicht als anstrengend. "Man trifft immer Leute wieder und hat eine gute Zeit", beschreibt er. Aber: "Basketball ist grundsätzlich ein fairer Sport. Es wird nur schwieriger, weil es auch hier die selben gesellschaftlichen Probleme gibt, wie überall." Besserwisser, Lamentierer oder Meckerer haben bei Schiedsrichter Lottermoser allerdings schlechte Karten. Er kann auch verbal austeilen. Einmal sagte ein Spieler zu ihm: "Solche Ansagen sind wir nicht gewohnt. Eigentlich dissen wir doch immer den Schiri." Seine Antwort war: "Und wie fühlt es sich an?"

Die Erfahrungen gibt Lottermoser an "seinen" Nachwuchs weiter. Dreimal im Jahr lädt er zu Schiedsrichterlehrgängen. " Wir haben viel Nachwuchs im Kreis. Wenn du ihn begeisterst, bleibt er auch. Rund 70 Prozent unserer Absolventen gehen später in den Spielbetrieb", weiß der Ausbilder. Lottermosers Ausbildung-Philosophie ist einfach. "Nur vom Buch lesen kannst du nicht pfeifen. Ich gehe lieber mit den Anwärtern in die Halle." Sein Fachwissen brachte ihm 2015 eine Berufung in eine internationale Kommission ein, die Ausbildungsstandards überarbeitete.

"Ich bin zu sehr in der Praxis und an der Basis verwurzelt, um mich in ein Präsidium wählen zu lassen. Auf meinem Gebiet habe ich schon mehr erreicht, als ich mir erträumt habe", sagt Lars Lottermoser. Einen Traum hat er aber doch noch: Einmal mit seinem Namensvetter Robert zusammen ein Spiel pfeifen - als doppelter Lottermoser sozusagen. Oder er bekommt den Olympia-Referee wenigstens mal als Referenten zu einer Fortbildung - dann in Bielefeld statt in Belgrad.

Zur Person: Lars Lottermoser
Alter: 45 Jahre
Verein: TSVE 1890 Bielefeld
Beruf: Informatiker
Familienstand: ledig
Ehrenamt: Schiedsrichter, Schiedsrichterwart des Basketballkreises Ostwestfalen, Umbesetzungsstelle im Westdeutschen Basketball-Verband, AG Ausbildung im Deutschen Basketball Bund
Auszeichnungen: Noch keine
Motto: "Talent borrows, Genius steals"

© 2018 Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt
Text: Gregor Winkler
Foto: Barbara Franke

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Veröffentlicht
08:07:00 09.08.2018
Lars Lottermoser