Basketball-Nationalteams begeistern den Bielefelder Nachwuchs

Zwei 3x3-Nationalteams trainieren in Bielefeld

Konstantin und seine Kumpels sind vorbei gekommen, um mal ein paar Körbe zu werfen. Kein Problem, die Carl-Severing-Halle ist geöffnet, Bälle sind reichlich vorhanden und ein paar Spielpartner sind auch da. Und schon dribbeln die Nachwuchsspieler aus der U 9 des TSVE Bielefeld mit gestandenen Nationalspielern um die Wette. Da interessiert eigentlich nur noch eine Frage: "Wie groß bist du eigentlich?"

Der so Angesprochene ist Kai Hänig, 31-jähriger Center des Zweitliga-Vizemeisters WWU Baskets Münster und Nationalspieler der 3x3-Auswahl des DBB. Er macht es spannend für seine kleinen Fans: "Rate doch mal." Die erste Schätzung der TSVE-Jungs geht knapp daneben: 2,30 Meter. Immerhin - die Zahlen passen, nur die Reihenfolge ist falsch. Hänig misst 2,03 Meter.

»Beachvolleyball der Basketballer«

3x3 - das X wird wie der Buchstabe ausgesprochen und nicht wie das mathematische "Multiplikations-Zeichen" - ist die neue, junge Disziplin der Basketballer. Hämmernde Beats und ein eventmäßig organisiertes Rahmenprogramm gehören zu den Turnieren. Gespielt wird, wie sich beim Namen ja bereits erahnen lässt, drei gegen drei auf einen Korb. Angriffs- und Spielzeit ist sehr kurz (12 Sekunden pro Angriff und 10 Minuten Nettospielzeit), so dass ein schneller, dynamischer Kampf entsteht. Hat ein Team 21 Punkte erzielt, ist vorzeitig Schluss. 3x3 wird im kommenden Jahr erstmals olympisch sein.

"Man könnte es das Beachvolleyball der Basketballer nennen", stellt Bundestrainer Matthias Weber einen leicht hinkenden Vergleich her, der aber verdeutlicht, wohin die Reise des Verbandes mit dieser neuen Disziplin gehen soll: Raus aus den Hallen und rein in die Innenstädte und auf die öffentlichen Plätze. Für TSVE-Jugendkoordinator Emre Atsür ist das eine Steilvorlage. "Wir haben auf dem Gebiet einiges vor", verspricht er. Das Trainingslager in Bielefeld war ein erster Schritt, um die Popularität der aufstrebenden Spielform zu vergrößern. Und: Atsür ist nicht nur Fan des 3x3, sein Fachwissen hat im DBB Gewicht: "Ich fand Emre vom Typ her sofort toll. Da bin ich in meinen Einschätzungen schnell. Darum wollte ich ihn auch im Trainerteam haben", erklärt Weber, der den Bielefelder zum Verantwortlichen für die U-23-Nationalmannschaft machte.

Das Spiel ist eine Mischung aus Teamsport und individueller Klasse. Jeder Spieler muss für sein Punktekonto in der Weltrangliste kämpfen. Die besten Akteure jeder Nation werden als Nationalmannschaft gewertet und können sich so für internationale Meisterschaften qualifizieren. "Das wird für die Spiele von Tokio schwer. Unser Ziel ist Olympia in Paris", dämpft Weber überzogene Hoffnungen. Noch hinke Deutschland im internationalen Vergleich hinterher.

»Die Regeln sind einfach zu verstehen«

Spieler wie Kai Hänig, der sich seit vier Jahren verstärkt auf 3x3 konzentriert, und sein Bruder Rouven, der nach Rangliste aktuell bester deutscher Akteur ist, sollen die Disziplin ankurbeln. Neue Fans werden mit jedem Turnier hinzu gewonnen. "Die Regeln sind einfach zu verstehen", hebt Bundestrainer Weber hervor. Und der Nationalcoach stellt Bielefelder einen besonderen Status in Aussicht. Im Gespräch mit Thomas von Gradowski, Koordinator der NRW-Sportschule Helmholz-Gymnasium, zeigt sich Weber interessiert an den Strukturen der Schule, die eng mit dem TSVE-Nachwuchsprogramm verzahnt sind. "Da müssen wir was machen", ist der Coach entschlossen, weitere Gespräche anzubahnen. Emre Atsür, der gerade an einem großen Jugendkonzept mit dem Ziel U-16-Bundesliga bastelt, hört das besonders gerne.

Für die Jungs aus der U 9 ist das noch Zukunftsmusik. Sie werden zunächst auf dem großen Feld ihr Handwerk erlernen. Eine Karriere als 3x3-Crack ist aber nicht ausgeschlossen, schon gar nicht, nachdem sie mit den coolen Nationalspielern an einem Nachmittag mal eben ein paar Körbe geworfen haben.

Copyright © Neue Westfälische
Text: Gregor Winkler
Foto: Dennis Angenendt

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Veröffentlicht
10:15:00 22.05.2019
Lars Lottermoser