Bielefeld feiert die Basketball-Revolution 3x3

Das Weihnachtsturnier des TSVE ist ein voller Erfolg. Eventcharakter lockt mehrere hundert Zuschauer, auch der Bundestrainer ist begeistert.

Laute Hip-Hop-Beats dröhnen durch die Halle, auf fünf Courts gleichzeitig steigt die große Basketballaction. Wer an diesem Wochenende die TSVE-Sporthalle betrat, konnte in eine andere Welt eintauchen. "Die Musik gibt dir Energie, ein DJ ist Standard beim 3x3. Das ist doch besser, als wenn du nur das Quietschen der Sportschuhe auf dem Hallenboden hörst", erklärt Turnierorganisator Emre Atsür. Der Jugendkoordinator ist der "Macher" hinter dem großen Weihnachtsturnier des TSVE Bielefeld: Am Samstag probierten sich 35 Jugendteams von U8 bis U15 in der Trenddisziplin, am Sonntag spielten U18, Frauen und Männer.

3x3 wird im nächsten Jahr in Tokio erstmals bei den olympischen Spielen gespielt. Auf einem Korb duellieren sich zwei Teams im drei gegen drei bei verkürzter Angriffszeit (Shotclock) und Spielzeit. "Für die Ausbildung junger Spieler ist das das Beste, was dir passieren kann", sagt Atsür, "du hast kleinere Teams und bei nur einem Auswechselspieler mehr Spielanteile für jeden." Ein weiterer, spannender Vorteil: Die Vereinsbindung ist aufgehoben. Zwar schickten die heimischen Vereine vom TSVE und der SV Brackwede auch Teams aus ihren ersten Mannschaften ins Rennen, diese spielten dann aber auch mal gegen "Allesio geht´s gut", die "Ibiza Girls" oder "Gyros meets Schnitzel".

Normalerweise wird 3x3 unter freiem Himmel auf Parkplätzen, an Bahnhöfen oder in Stadtzentren gespielt, das Weihnachtsturnier des TSVE war nun das größte Indoor-Event des Landes. Das lockte auch Matthias Weber, Disziplinchef des Deutschen Basketballbundes nach Bielefeld. Der Bundestrainer kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: "Das ist die Zukunft! So müssen sich Sportvereine aufstellen: Flexible Teamgestaltung, Online-Verwaltung und Eventcharakter." Mit dem erstmaligen Auftritt bei den olympischen Spielen erwartet Weber einen Boom: "Deutschland ist da noch ein bisschen konservativer, aber weltweit ist das schon längst das ganz große Ding!"

Die Stars der Szene können davon ein Lied singen: "Der Stamm" ist Deutschlands bestes 3x3-Kollektiv. Auf YouTube zockten sie schon Streetball mit NBA-Profi Dennis Schröder, nun gaben sie sich in Bielefeld die Ehre. Die Jungs aus Aachen vertraten Deutschland schon mehrmals bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften, gegen die heimischen Basketball-Cracks hatten sie aber so ihre Probleme: Gegen das Team vom TSVE gewannen sie erst nach Verlängerung, gegen den SV Brackwede erst per "Buzzerbeater" in der Schlusssekunde. "Das ist faszinierend am 3x3 - du kannst auch schnell mal die Allerbesten schlagen", freute sich Weber.

Auch für Frauen sei die deutlich schnellere Spielform eine große Chance, so der Bundestrainer weiter. Die Unterschiede zu den Männern treten nicht so offen zu Tage, weil es eine extreme Multiplikation der Schlüsselaktionen gibt und das hohe Tempo durch die kurze Shotclock sichergestellt ist. "Es macht viel Spaß, man hat deutlich mehr Eins-gegen-Eins-Aktionen als im normalen Spiel", sagt auch Theresa Voss, Regionalligaspielerin beim TSVE. "Das ist vielleicht gerade etwas für Leute, die nicht drei Mal die Woche zum Training, sondern einfach draußen ein bisschen zocken und am Wochenende mal auf ein Event fahren wollen."

"Das Prinzip 3x3 und das ganze System um die Events herum ist nicht so leicht zu verstehen", bilanzierte Bundestrainer Weber, "aber Emre Atsür hat es verstanden - und Bielefeld offenbar auch."

Foto 1: Nationaltrainer Matthias Weber, Nationalspielerin Svenja Brunckhorst und Organisator Emre Atsür vom TSVE (v.l.)
Foto 2: TSVE Bielefelds Bastian Landgraf (l.) punktet gegen das Star-Team "Der Stamm"

Copyright © Neue Westfälische 2019
Text: Nelis Heidemann
Fotos: Andreas Zobe

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Veröffentlicht
12:29:00 23.12.2019
Lars Lottermoser