Nowitzki entscheidet sich für Heim-EM

08.06.2015 17:00:00 | Lars Lottermoser

Dirk Nowitzki lehnte sich in seinem Sessel noch mal lässig zurück, bevor er Deutschlands Basketball-Fans endlich erlöste. "Ich habe mich entschieden, in Berlin dabei zu sein", sagte der Superstar während eines Sponsoren-Termins in Frankfurt und gab unter dem Jubel der Zuschauer seine lange ersehnte Zusage für die EM im Sommer. Nach vier Jahren Pause und langer Bedenkzeit kehrt der Würzburger ins Nationalteam zurück.

"Ich habe den Monat Mai genutzt, um ein bisschen Abstand vom Sport zu gewinnen. Im Endeffekt ist die Entscheidung gefallen, da es für mich ein super Abschluss meiner internationalen Karriere wäre", sagte der Kapitän der Dallas Mavericks. Vermutlich wird der 141-malige Nationalspieler am 16. August in Bremen gegen Kroatien sein Comeback in der Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) geben.

Nowitzki war in der ersten Play-off-Runde der Profiliga NBA ausgeschieden und hat viel Zeit, um sich vor der EuroBasket (5. bis 20. September) zu erholen. Ein Glücksfall für Bundestrainer Chris Fleming. "Ich habe ihm einen langen Play-off-Lauf gegönnt. Es sind aber keine Tränen im Haus Fleming geflossen, als sie ausgeschieden sind", sagte der US-Amerikaner schmunzelnd.

Erstmals bekommt Nowitzki die Gelegenheit, sich bei einem großen Turnier in der Heimat zu zeigen. Auf die Vorrundenspiele in der Berliner Arena am Ostbahnhof freut sich der Forward schon jetzt. "Wir haben in der Halle 14.000 Leute im Rücken. Und hoffentlich das ganze Land", sagte Nowitzki. "Vor heimischem Publikum in einer Basketball-Stadt wie Berlin. Das kitzelt schon nochmal." Gemeinsam mit Spielmacher Dennis Schröder, der in seiner überzeugenden zweiten NBA-Saison mit den Atlanta Hawks sogar das Halbfinale erreichte, will er in der Hauptstadt für Furore sorgen. Doch die Aufgabe hat es in sich. In der Gruppe B heißen die Gegner Spanien, Serbien, Italien, Türkei sowie Island. Nur vier Teams reisen weiter nach Lille/Frankreich, für die Sommerspiele in Rio de Janeiro muss eine Top-6-Platzierung her.

Einwurf: Bemerkenswerte Verbundenheit (Frank Pleyer)

Er hätte es sich einfach machen, die Füße aufs Sofa legen und sich um seine Frau und die beiden kleinen Kinder kümmern können. Stattdessen wird Basketball-Superstar Dirk Nowitzki im Spätsommer über den großen Teich fliegen und sich das Nationalmannschafts-Trikot überstreifen.

Damit war nicht zu rechnen, denn die deutschen Erfolgsaussichten bei der Europameisterschaft sind gering, eine Olympia-Qualifikation wäre beinahe eine Sensation. Zumal man nicht glauben darf, dass es der in die Jahre gekommene Nowitzki, der bei der EM 37 Jahre alt sein wird, alleine richten kann. 17 Jahre NBA-Basketball auf höchstem Niveau mit bis zu 100 Spielen pro Saison fordern ihren Tribut. In der vergangenen Saison wurde seine Einsatzzeit bei den Dallas Mavericks bereits zurückgeschraubt, damit "Dirkules" in den entscheidenden Spielphasen fit und frisch genug für die wichtigen Würfe war.

Doch Nowitzki denkt nicht nur an den Erfolg. Was ihn so sympathisch macht und aus dem Gros der Profispieler heraushebt, ist seine Verbundenheit - einerseits zu den Dallas Mavericks, dem ersten und einzigen Club, seitdem er in der NBA auf Punktejagd geht, andererseits zur Heimat. Der Würzburger ist im eigenen Land hochmotiviert, legt deshalb noch einmal eine Sonderschicht ein. Die Basketballfans hierzulande können sich glücklich schätzen. Denn viele Gelegenheiten, den NBA-Champion von 2011 live in Deutschland punkten zu sehen, wird es voraussichtlich nicht mehr geben.

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