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Magische Momente

19.03.2008 16:12:22 | Lars Lottermoser

Es war ein ganz besonderer Moment in den jungen Karrieren der U-14-Basketballer des TSVE. Nicht nur, dass die Jungs ihr Spiel gegen DJK Rheda am Freitag in der großenSeidensticker-Halle bestritten, sie durften darüberhinaus auch den Auftakt für einen Basketball-Abend geben, der für echte Fans der Sportart ein absolutes Muss ist.

Die Harlem Globetrotters, ein hochgelobtes Show-Team aus den USA, hatten sich angesagt und schon deshalb waren die Gedanken der Bielefelder Kids an diesem Abend nicht ganz beim Gegner aus Rheda. "Das ist für die Jungs der Höhepunkt des Jahres, die meisten von ihnen waren vorher extra nochmal beim Friseur", sagte Trainer Aurel Mallepree mit einem Schmunzeln.

Zweimal hatten die Bielefelder Rheda in der gerade abgeschlossenen Saison knapp geschlagen, doch dieses Mal ging es nicht um Meisterschaftspunkte, sondern einzig und allein um das Erlebnis. Deshalb war auch kein Bielefelder enttäuscht, dass die Gäste am Ende mit 32:30 als knapper Sieger vom Feld gingen. Spätestens jetzt füllten sich die bis dahin noch leer gebliebenen Plätze.

Um genau 20 Uhr wurde es finster. Begleitet von Nebel, Spot-Scheinwerfern und lauter amerikanischer Rap-Musik stürmten die Harlem Globetrotters die Halle. Die Kult-Formation, die in ständig wechselnder Besetzung bereits seit mehr als 80 Jahren um den Globus reist, bezeichnet sich selbst als bestes Basketball-Team der Welt. Begleitet werden sie auf der aktuellen "Magic As Ever"-Tour von den Washington Generals - einem Sparringspartner, der mitreist, um zu verlieren.

Bis die rund 1.500 Zuschauer tatsächlich die ersten Spielzüge zu sehen bekamen, dauerte es eine Weile. Schon die ausgiebigen Aufwärmübungen der Teams glichen einer Unterhaltungsshow, bei der schnell klar wurde, dass mit einem echten Basketball-Spiel an diesem Abend eher nicht zu rechnen ist. Die Harlem Globetrotters zelebrierten eine Mischung aus Tanz, Akrobatik, Ballbeherrschung und Comedy. Nachdem die auf vier mal zehn Minuten angesetzte Partie begonnen hatte, wurde schnell klar, warum dieses Team jährlich rund drei Millionen Fans anlockt.

Die Spieler, die sich Big Easy, General oder Hollywood nennen, ließen den Ball so schnell und sehenswert durch ihre Reihen laufen, dass es oft schwer fiel, dem Geschehen zu folgen. Da sie dabei stets auch noch den Dialog untereinander und mit dem Publikum suchten, war es umso erstaunlicher, dass das Runde bei fast allen Kombinationen auf spektakuläre Weise im Runden landete. Obwohl die Spielzüge ähnlich wie beim Wrestling zwischendurch stark mit dem Gegner abgesprochen und trainiert wirkten, besaßen sie hohen Unterhaltungswert.

Die sportliche Leistung der Washington Generals war allerdings nicht zu unterschätzen: Ihre gewollte Chancenlosigkeit war das Ergebnis von hartem Training. Respekt vor den Kollegen schienen die Harlem Globetrotters trotzdem nicht zu haben. Sehr zur Freude der Zuschauer wurden ab und an dem Gegner und auch dem Schiedsrichter die Hosen heruntergezogen.

Vor allem das jüngere Publikum war oftmals selbst Bestandteil der Show. Immer wieder holten die Globetrotter ein paar Kids aufs Spielfeld, um sie mitspielen zu lassen und gelegentlich auch mal auf den Arm zu nehmen. Als einer der Halbstarken dann tatsächlich den Korb von der Freiwurflinie traf, kochte die Stimmung in der Halle über.

Warum die Siegquote der Harlem Globetrotters bei diesen Show-Spielen in den vergangenen Jahren nur bei 98 und nicht bei 100 Prozent lag, bleibt ein Rätsel. In Bielefeld schlugen sie ihren Gegner nach etwa zwei Stunden Brutto-Auftritt jedenfalls deutlich mit 64:47. Den Jungs vom TSVE Bielefeld stand das Funkeln bei der Autogrammstunde immer noch in den Augen. "Ich werde der erste deutsche Harlem Globetrotter sein", versprach einer von ihnen stolz. Kurz darauf hatte er schon wieder einen Basketball in den Händen. Früh übt sich.

Text: Jonas Wixforth
Fotos: Christian Weische
Quellenangabe: Neue Westfälische Bielefeld, 17.03.2008