Mit Thermoskanne und Butterbroten

12.12.2008 10:00:00 | Lars Lottermoser

Harry Holtfreter, Vater des städtischen Basketballs, ist tot

Einer der Väter des Bielefelder Basketballs ist tot. Harry Holtfreter, Begründer der Basketball-Abteilung des TSVE Bielefeld, ist im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Holtfreter war der Prototyp des zupackenden Ehrenamtlers.

Hallenschuhe an? Bälle eingesammelt? Der freundliche ältere Herr hinterm Anschreibetisch in der Helmholtz-Sporthalle hatte stets alles im Griff. Harry Holtfreter gehörte hier über Jahrzehnte mit seiner Thermoskanne und den Butterbroten zum Inventar. Jeder aktive Bielefelder Basketballer kannte ihn. "Harry war ein Funktionär alter Schule, sehr pflichtbewusst und als Mensch unheimlich liebenswert", erinnert sich die Kreisvorsitzende Gerda Hogt.

1961 war der Hockeyspieler und Feldhandballer aus der DDR nach Bielefeld gekommen. Als er in den TV Einigkeit eintrat, übernahm er in der Turnabteilung sofort das Traineramt. "Mit etwa 14 Jahren haben die Kinder uns alle verlassen. Es musste was passieren", erzählte er früher selbst. "Da habe ich einfach mal einen Ball in die Diesterweghalle geworfen." So entstand 1965 die Basketball-Abteilung des TSVE. Der Autodidakt Holtfreter brachte sich selbst alles bei, fungierte später als Abteilungsleiter, Schiedsrichter und Trainer.

"Er hat uns Zuverlässigkeit und Treue zum Verein beigebracht", sagt seine frühere Spielerin Heike Rixe. "Und unter Harry spielte man nicht nur mit. Es war klar, dass man auch Aufgaben im Verein übernehmen musste." Ergebnis: Rixe löste später ihn in der Abteilungsleitung ab. Harry Holtfreter war für seine Verdienste hoch dekoriert: Er war Ehrenmitglied des Kreises und des WBV, der ihm auch die Goldene Ehrennadel verlieh. Auch als Rentner engagierte sich der Personalsachbearbeiter der Stadtwerke weiter für den Verein.

Obwohl gesundheitlich stark angeschlagen, war Holtfreter mit Frau Inge Gast bei den Heimspielen der Dolphins in der 2. Bundesliga. Letztmals war er beim ersten Saisonspiel der Frauen nach deren Zweitliga-Aufstieg in der Halle. Dass auch durch seinen Einsatz die TSVE-Basketballer zu einer Abteilung mit 200 Mitgliedern und zuletzt zwei Bundesligisten wurden, hat Harry Holtfreter sehr gefreut. "Aber das ist doch so viel Arbeit", bemitleidete er seine Nachfolger dann doch ein wenig.

Text: Stefan Ducksch
Quellenangabe: Neue Westfälische Bielefeld, 12.12.2008