Heimische Basketballer sorgen in Katar für Furore

24.11.2020 09:16:48 | Lars Lottermoser

Das Team Bielefeld erreicht bei seiner ersten World-Tour-Teilnahme im 3x3 gleich das Viertelfinale und erfreut die Fans daheim

Das Abenteuer Katar ist für die Bielefelder 3x3-Formation Vergangenheit. Am späten Sonntagnachmittag landeten die heimischen Profisportler wieder in Düsseldorf. Nach der Viertelfinalniederlage (7:21) am Samstag gegen den späteren Turniersieger aus Riga traten Spielertrainer Marian Schick, Dzemal Taletovic, Bastian Landgraf und Alan Boger sowie Teammanager Emre Atsür mit breiter Brust die letzten Kilometer der Heimreise Richtung Ostwestfalen an – die erste World Tour Teilnahme hat sich vollauf gelohnt.

Wobei: So ganz sind die Fünf während der Woche nie in der katarischen Hauptstadt Doha angekommen. Emre Atsür, Abteilungsleiter im TSVE, erklärt: "Die Veranstaltung und alles Drumherum waren hochprofessionell. Wir haben das Hotel erst nach den negativen Corona-Tests verlassen, sind jedoch in der 3x3-Blase geblieben – lediglich zum Training beziehungsweise dem Turnier durften wir gefahren werden." Es sei durchaus eine harte Zeit im Hotelzimmer gewesen.

Zwei souveräne Sieg in der Qualifikation

Nachdem am Freitagnachmittag in der Qualifikation zwei souveräne Siege gegen ein japanisches und ein saudi-arabisches Team gelangen, zogen die Bielefelder in die Gruppenphase ein. Auch auf der World-Tour-Ebene zeigte sich, dass einige Mannschaften Schwierigkeiten mit den vielfältigen Charakteren der Ostwestfalen haben: Der Ur-Bielefelder Bastian Landgraf, der mit seiner Technik, Beweglichkeit und dem Auge für den Mitspieler überzeugt, der langjährige Dolphin Dzemal Taletovic, dessen Dreier (im 3x3 zwei Punkte) selbst auf dem hohen Niveau herausragen, sowie Allrounder Alan Boger und Spielertrainer Marian Schick, der das Bielefelder Spiel steuert und dessen Durchsetzungsvermögen im Eins gegen Eins ein wichtiger Faktor in der Wüstensonne waren und bei zukünftigen Turnieren sein werden.

In den Gruppenspielen reichte ein deutlicher 22:10-Sieg gegen eine serbische Mannschaft bei einer 16:21-Niederlage gegen eine Auswahl der US-Universitätsstadt Princeton, um ins Viertelfinale am Folgetag einzuziehen. Die ostwestfälische 3x3-Community und weitere Förderer der jungen Disziplin wie 3x3-Bundestrainer Matthias Weber feierten auf ihren heimischen Sofas dank des Livestreams des Basketballweltverbandes FIBA derweil Individual-Parties nach jedem Sieg.

Positives Feedback kommt aus der Heimat

"Es war sehr schön, immer wieder das positive Feedback aus der Heimat über Whatsapp, Instagram und Facebook zu erhalten", spricht Atsür die Entwicklung eines 3x3-Oberzentrums in Ostwestfalen an und führt aus: "Wir sind die bisher einzige deutsche Mannschaft, die ausschließlich 3x3 professionell trainiert und nun auf dieser Ebene angekommen ist."

Dabei verfielen Atsür und Co nicht in einen Corona-Blues, weil etwa die eigenen Turniere im Sommer unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden mussten. Sondern der Bielefelder 3x3-Macher und seine Mitstreiter nutzten die Situation clever, so dass das Turnier in Doha trotz der verschärften Pandemielage in Deutschland auch als Belohnung für die Mühen wie beispielsweise die strengen Hygienekonzepte oder die Technik der kostenfreien Livestreams fungierte.

Mit Bauchschmerzen auf die Reise

Emre Atsür betont, dass er sich mit seinem Team des Privilegs bewusst ist: "Es bereitet auch Bauchschmerzen, diese Reise momentan auf sich zu nehmen. Außerdem tut es mir sehr weh, dass Kinder derzeit kein Basketball spielen dürfen."

Gleichwohl sagt der 3x3-Basketball-Liebhaber: "Für uns war klar, dass wir diese Chance ergreifen und nach Katar fliegen. Im Rückblick bin ich auch auf das sportliche Abschneiden stolz. Wir schätzen dieses Privileg sehr wert." Zumal die Austragung des Turniers trotz einiger kurzfristig zugelassener Fans ja höchste Infektionsschutzstandards garantierte.

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Text: Torben Ritzinger
Foto: Emre Atsür