Wo die Körbe draußen hängen

24.05.2013 20:00:00 | Lars Lottermoser

KORBLEGER: Streetbasketballer finden in Bielefeld viele Betätigungsfelder

New York City: Nirgends wird der Straßenbasketball so zelebriert wie hier. Manchmal bedeutet er den Ausweg aus Armut und Kriminalität, oft ist er spektakulär, immer ist er Kulturgut. Wer sich auf dem rauen Asphalt der Millionenmetropole durchsetzt, der kann es schaffen. Von diesen Zuständen ist Bielefeld natürlich weiter entfernt als der Leineweber vom Rauchverbot - dennoch bleibt auch der hiesige Asphalt nicht vom orangen Leder verschont.

Straßenbasketball - das klingt ein wenig hölzern, "Streetball" hört sich da schon besser an. Gemeint ist beide Male eine Form von Basketball, die statt in der Halle draußen stattfindet. Um die Popularität dieses Sports hierzulande dürfte es nicht besser stehen als um die seines großen Bruders Basketball. Trotzdem dürfte die Dunkelziffer seiner Anhänger um einiges höher ausfällt: Um mitzumachen, braucht man statt Vereinszugehörigkeit nur einen Ball, einen Korb - und im Optimalfall gutes Wetter. 

Letzteres ist in Bielefeld spärlich gesät, die beiden anderen Zutaten lassen sich leichter finden. Und tatsächlich: In der Leineweberstadt gibt es eine echte Streetballszene. Als Beleg hierfür genügt ein Blick auf Facebook. 

In der Gruppe "AOK - ich bin da" organisieren sich derzeit 67 Mitglieder auf dem Platz, der als das hiesige Basketball-Mekka angesehen wird: dem von der AOK gesponserten Basketballplatz an der Teutoburger Straße, nahe des Städtischen Krankenhauses. Das weiß auch Oliver Mankowski, Kapitän der Oberliga-Truppe des TSVE: "Da ist immer viel los. Auch das Niveau ist teilweise echt stark", sagt er. Mankowski weiß, wovon er spricht: Mit seiner Streetball-Mannschaft holte er 2011 den NRW-Titel. 

Die Bielefelder Streetball-Gemeinde wird ab dem Frühjahr aktiv, sobald sich hier und da die Sonne zeigt. Es wird sich ausgetauscht und verabredet - die Gruppe ist offen, somit kann jeder beitreten. Im Sommer geht's vom späten Nachmittag bis Sonnenuntergang zur Sache. Dann müssen auch hartgesottene heim, denn Flutlicht gibt es keins. Und ohnehin: "Der Platz hätte mal eine Generalüberholung nötig", meint Mankowski. 

der Platz im Schoße des Städtischen Krankenhauses nicht schmeckt, dem bieten sich noch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel im Westen, direkt an der Laborschule. Auch hier trifft man bei gutem Wetter oft Gleichgesinnte, einziger Haken: Einer der beiden gegenüber platzierten Körbe hängt tiefer als der Andere. Für Mankowski ein Stimmungskiller: "Echten Basketballern macht es in der Regel keinen Spaß, auf solche Anlagen zu spielen". Ein paar Meter weiter befindet sich gleich die nächste Möglichkeit, Körbe zu werfen. Auf dem umzäunten Platz hinter der Uni wird auf rotem Tartanbelag gespielt, den auch Leichtathleten nutzen. Der gepflegte Platz ist das ganze Jahr bis jeweils 22 Uhr geöffnet.

Laut Mankowski gibt es einen harten Kern, der sich im Sommer auf den Plätzen trifft. "Man kennt die Gesichter. Es kommen aber auch immer einige neue hinzu, während andere verschwinden". Mankowskis Liebling, wer hätte das erwartet, ist der AOK-Platz: "Obwohl mitten in der Stadt, ist der Platz von Grün umgeben. Dem verdankt er sein besonderes Flair", sagt der 31-Jährige.

Eins ist sicher: Wer einen Korb sucht, findet ihn. Auch in Bielefeld. Und wären die Häuser um den AOK-Platz fünfzig Stockwerke höher, läge sogar ein Hauch New York in der Luft.

© 2013 Neue Westfälische - Bielefelder Tageblatt
Text: Yannick Ramsel
Foto: Bongarts